Die Welpenmafia

11 Tipps, wie Sie unseriöse Welpen-Händler sofort erkennen


„Ich brauche keine Papiere, ich will ja nicht züchten.“ Das ist eine Aussage, die man von Hundehaltern häufig hört. Die Gründe dafür sind Geiz, Unwissenheit, Mitleid oder alles zusammen. Warum auch 1.000 Euro und mehr für einen Rassehund ausgeben, wenn es den gleichen Hund schon für 350 Euro gibt? Ganz einfach: Weil es nicht stimmt.

Vier Pfoten/ Hansanord

Ein Interview mit Volker Schütz, dem Autor von „Die Welpenmafia – Wenn Hunde nur noch Ware sind“

Herr Schütz, Sie sind Anwalt und Autor. Was hat Sie und Ihre Frau, Gerda Melchior, dazu bewogen, gemeinsam mit TV-Anwalt Christopher Posch ein Buch über die Welpenmafia zu schreiben?
Meine Frau und ich hatten bis dahin bereits Bücher zu den unterschiedlichsten Themenbereichen verfasst. Im Jahr 2013 stießen wir auf das Thema „Vermehrertum und illegaler Welpenhandel“ und stellten fest, dass es für potentielle Welpenkäufer keine Möglichkeit gab, sich aus einer einzigen Quelle umfassend über die Gefahren zu informieren. So entstand der Entschluss, ein Buch über die Welpenmafia zu schreiben. Auch um diesen Begriff und die dahinter stehenden Probleme in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Mein Kollege Christopher Posch hatte zu dieser Zeit in seiner Kanzlei einen authentischen Fall mit einem kranken Welpen, den wir als Aufhänger nahmen und auf dem wir unsere weiteren Recherchen aufbauten. Während der Entstehung des Manuskripts arbeiteten wir dann sehr eng mit Birgitt Thiesmann von der Tierstiftung VIER PFOTEN in Wien und mit dem Verein „Das Leid der Vermehrerhunde e.V.“ zusammen. Auf diese Weise erhielten wir unzählige wertvolle Informationen, die in das Buch einflossen. Von diesen beiden Institutionen stammen auch die im Buch enthaltenen, teilweise entsetzlichen Fotos aus Massenvermehrungsstationen und von ehemaligen Vermehrerhündinnen.
 
Sie haben es gerade schon angedeutet: Der Begriff „Welpenmafia“ impliziert, dass es sich um organisiertes Verbrechen handelt, an dem nicht nur Hundehändler, sondern auch Tierärzte und Politiker beteiligt sind. Ist die Welpenmafia ausschließlich ein osteuropäisches Phänomen?
Tatsächlich mussten wir feststellen, dass bei diesem schmutzigen Geschäft eine Vielzahl von Personen staatenübergreifend zusammenwirkt und jeder seinen Tatbeitrag leistet. Dies beginnt bei den Vermehrern, bei denen die Hündinnen unter den unbeschreiblichsten Zuständen ihr Leben fristen und bis zur physischen Erschöpfung Nachwuchs produzieren, und geht über die Transporteure, die die Welpen in Kleinlastern oder im Kofferraum eingepfercht quer durch Europa schaffen, bis hin zu den Endverteilern, die die häufig mit tödlichen Krankheiten infizierten Geschöpfe mit den abenteuerlichsten Lügengeschichten an den gutgläubigen Käufer bringen. In manchen Fällen besteht sogar – besonders im Ausland – Anlass zu dem Verdacht, dass bei der Fälschung von Impfpässen Tierärzte und staatliche Stellen beteiligt sind.
 
Der Schwerpunkt liegt jedoch in Osteuropa, richtig?
Ja, aber es gibt die sogenannten Vermehrerstationen auch in Westeuropa. Der Vertrieb erstreckt sich über ganz Europa.
 
Wie funktioniert der Welpenhandel konkret?Bei den Vermehrerstationen handelt es sich um ehemalige Bauernhöfe oder aufgelassene Fabrik- und Gewerbeanlagen, aber auch in kleinem Rahmen um Ställe, Garagen und sogar Privatwohnungen. Hündinnen der gerade aktuellen Moderassen (z.B. Mops, Golden Retriever, Beagle, Labrador, Malteser, Chihuahua) verbringen ihr gesamtes Leben in dunklen und verdreckten Betonverschlägen oder Käfigen, um zweimal, nach Hormonzufuhr auch dreimal jährlich einen Wurf zu produzieren. Dies beginnt bei der ersten Hitze – vergleichbar mit einem 12-jährigen Mädchen – und endet erst, wenn die Hündin unfruchtbar wird oder stirbt. Auch den Rüden ergeht es nicht viel besser. Sie kennen keine grüne Wiese oder den blauen Himmel und werden mit dem billigsten Futter ernährt, im schlimmsten Fall mit toten Artgenossen. Wichtig ist nur der Profit.

Wie geht es dann weiter?
Die Welpen werden bereits mit vier Wochen, wenn sie eigentlich noch gesäugt werden müssten, von der Mutter getrennt, um sie als angeblich besonders begehrte „Mini“Version ihrer jeweiligen Rasse anpreisen zu können. Den ahnungslosen Interessenten wird dabei mit gefälschten Papieren ein höheres Alter vorgetäuscht. Ausgenutzt wird vor allem die Unwissenheit der Käufer. Aber auch falsche Sparsamkeit und vor allem Mitleid spielen eine Rolle. Es ist für einen Käufer einfach zu verlockend, den vermeintlichen Rassewelpen statt für 1000 Euro für nur 250 oder 300 Euro zu bekommen. Und ist der winzige und tapsige Welpe erst einmal auf dem Arm des potentiellen Käufers gelandet, hat der skrupellose Hundehändler bereits gewonnen.

Wo werden die Welpen angeboten?

In den östlichen Anrainerstaaten auf Märkten, bei uns über Kleinanzeigen oder auf den einschlägigen Internet-Verkaufsplattformen. Dabei wird dem Interessenten vorgespiegelt, dass die Welpen aus „liebevoller Hobbyzucht“ stammen. In Wahrheit wurden die Tiere über Hunderte von Kilometern herbeigekarrt, wobei Verluste bereits einkalkuliert sind.


Worin unterscheidet sich eine Hobbyzucht (ohne Papiere) vom Vermehrer?
Es gibt grundsätzlich keine seriöse Rassehundezucht ohne Papiere. Ein verantwortungsvoller Züchter ist in der Regel einem rassespezifischen Zuchtverband angeschlossen, der seine Mitglieder bei der Auswahl der Elterntiere berät und in gewissem Grad auch mitbestimmt. Bei der Übergabe werden dem Käufer die Abstammungspapiere ausgehändigt. Es gibt aber auf der anderen Seite wiederum sogar Zufallsverpaarungen, aus denen wunderbare Hunde entstehen – ohne Papiere. Auch hier gilt: vor dem Kauf eines Hundes eingehend informieren und nicht blind zugreifen. Ein liebevoller und verantwortungsvoller Züchter hat keine Geheimnisse, sondern gibt bereitwillig Antwort auf alle Fragen rund um seinen Wurf.
 
Viele Welpeninteressenten sagen: „Ich brauche keinen Hund mit Papieren, ich will ja nicht züchten.“ Warum sind Papiere Ihrer Meinung nach trotzdem wichtig?
Eine solche Äußerung ist natürlich Unsinn, ähnlich wie: „Ich will ihn ja nur liebhaben!“ Auch wenn der Käufer selbst gar nicht züchten will, dienen ihm die Abstammungspapiere als Nachweis, dass der Welpe aus einer kontrollierten Zucht stammt, seine Eltern auf genetische Defekte untersucht wurden und gegebenenfalls einer Wesensprüfung unterzogen wurden. So ist der Käufer auf der sicheren Seite und kann davon ausgehen, dass ihm sein vierbeiniger Begleiter ein Hundeleben lang Freude bereitet.

Die Verlockung, einen Rassehund für 350 Euro statt für 1.500 Euro zu bekommen, ist für viele Menschen groß. Womit muss der Käufer rechnen, wenn er sich für einen „Billig-Welpen“ entscheidet?
Die Billig- oder „Wühltisch“-Welpen aus einer unkontrollierten Massenvermehrung sind häufig mit Gendefekten oder Wesensdefiziten behaftet, weil es einem nur am Profit orientierten Vermehrer egal ist, welche Elterntiere er verpaart. So werden Erbkrankheiten wie Gelenkfehlstellungen oder Organschäden weiterverbreitet und führen zu unnötigem Tierleid. Bei Welpen aus seriöser Zucht ist dies weitgehend ausgeschlossen, da solche Elterntiere nicht zur Zucht zugelassen werden. Außerdem läuft der Käufer eines Billigwelpen Gefahr, dass dieser mit Krankheiten infiziert ist, die in vielen Fällen, wie z.B. bei Parvovirose, unweigerlich nach wenigen Tagen zum qualvollen Tod des Welpen führen. Kann der Hund gerettet werden, ist dies mit hohen Tierarztkosten verbunden, die den vermeintlich eingesparten Betrag oft um ein Mehrfaches übersteigen. Es besteht auch eine konkrete Ansteckungsgefahr für bereits im Haushalt lebende Hunde, bei Zoonosen auch für den Menschen.
 
Und nicht nur das, die frühe Trennung von der Mutter und die mangelnde Sozialisierung hat auch Einfluss auf das Verhalten das Welpen.
Genau. Die Welpen kennen, da sie ihr Leben bis dahin nur in einem Betonverschlag oder einem Käfig verbracht haben, keine Autos, kein Kindergeschrei, keinen Staubsauger, keine Türklingel. Im schlimmsten Fall bleiben sie ihr gesamtes Leben lang schreckhaft und neurotisch.
 
Die Verkäufer der Welpen sind sehr erfindungsreich, wenn es darum geht zu verschleiern, woher das Hundebaby stammt. Was sind die beliebtesten Ausreden?
Da sind dem Ideenreichtum wahrhaftig keine Grenzen gesetzt. Gängig sind am Telefon die folgenden Sprüche:
„Ich wohne so weit draußen (so weit von Ihnen entfernt, so schwer zu finden), ich bringe Ihnen den Hund lieber.“
„Ich komme Ihnen entgegen, treffen wir uns doch am besten an einer Raststätte, dann müssen Sie nicht so weit fahren.“
„Meine Tochter (Mutter, Tante) ist krank (schwanger, gehbehindert) und hat mich gebeten, Ihnen den Hund zu bringen.“
„Unser Kind hat eine Allergie, wir müssen den Welpen wieder abgeben.“
Immer geht es darum, Spuren zu verwischen und so eine Rückverfolgung zu verhindern.
 
Was ist mit Hunden aus dem Ausland, die der Tierschutz „gerettet“ hat? In Ihrem Buch wird angedeutet, dass auch hier Vorsicht geboten ist.
Hier gibt es durchaus Einzelpersonen und Vereine, die sich mit Herz und Seele dem Tierschutz verschrieben haben und herrenlose Hunde aus dem Ausland hier bei uns an geeignete Halter vermitteln. Auf der anderen Seite tummeln sich auch hier schwarze Schafe, die Hunde im Ausland massenhaft einsammeln, um damit schnelles Geld zu verdienen. Wichtig ist, nicht spontan zuzugreifen, sondern sich bei einem Tierarzt, einem Tierheim oder im Internet ausreichend zu informieren. Auch verschiedene Internetforen bieten hier Unterstützung an.
Es sei aber zu diesem Thema die Bemerkung erlaubt, das auch hierzulande Tausende von wunderbaren und familientauglichen Hunden – auch Welpen und Rassehunde – in Tierheimen und bei Tierschutzeinrichtungen leben und sehnlichst auf ein neues Herrchen oder Frauchen warten.

Sprechen wir noch kurz über gefälschte Impfpässe. Woran kann der Käufer erkennen, dass der Pass nicht echt ist und der Hund demnach weder gechippt, noch geimpft?
Das ist für einen Laien, vor allem für einen Erst-Hundebesitzer, schwer bis gar nicht zu erkennen. Das oberste Gebot lautet deswegen immer, einen Welpen niemals irgendwo anonym und spontan zu kaufen. Im Zweifel kann immer ein Tierarzt befragt werden, bevor der Hund endgültig erworben wird. Auch Hundeschulen, Hundetrainer oder Vereine wie die bereits erwähnten VIER PFOTEN oder „Das Leid der Vermehrerhunde e.V.“ stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.
 
Vor allem in NRW kommt es vermehrt zu Diebstählen von Rassehunden. Welche Rolle spielt in diesen Fällen die Welpenmafia? Gibt es weitere Geschäftszweige?
Dazu liegen uns bisher keine Erkenntnisse über einen Zusammenhang vor.
 
Die EU hat eine neue Richtlinie festgelegt, nach der Welpen aus dem Ausland zum Schutz vor einer Verschleppung der Tollwut gegen diese geimpft sein müssen. Was bringt dieses neue Gesetz?
Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass sich bei jeder Gesetzesverschärfung auf diesem Gebiet nach kurzer Zeit wieder neue Transport- und Vertriebswege bilden, solange sich die Sache rechnet und der Profit stimmt. Und solange nicht auch die Kontrollen verschärft werden, bleibt die Neuregelung ein zahnloser Tiger. Wichtig ist es unserer Ansicht nach, potentielle Welpen-Interessenten umfassend über die Risiken aufzuklären, um den illegalen Welpenhandel von der Käuferseite her auszutrocknen.

Was müsste tatsächlich gegen den organisierten Handel getan werden?
Eine allgemeine Chip- und Registrierungspflicht, verstärkte Kontrollen und die konsequente Verfolgung von Verstößen gehören zu den Kernforderungen. Außerdem muss die Öffentlichkeit verstärkt über das Problem informiert werden. Meine Frau und ich arbeiten zu diesem Zweck mit vielen, auch international bekannten Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Film, Fernsehen und Musik zusammen, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen. Im November werden wir zu diesem Zweck in Baden bei Wien eine Charity-Gala und ein Spaß-Hunderennen veranstalten, wobei der Erlös Personen und Institutionen zufließen soll, die sich im Kampf gegen Vermehrertum und illegalen Welpenhandel verdient gemacht haben oder stark machen.
 
Gibt es Möglichkeiten für Hundefreunde, sich gegen die Welpenmafia zu engagieren?
Natürlich! Bei verdächtigen Beobachtungen nicht wegsehen, sondern einschließlich Kfz-Kennzeichen schnellstmöglich der Polizei oder anonym auf der Seite von VIER PFOTEN unter www.stopptwelpendealer.org melden. Und jeder kann jeden Tag etwas Wichtiges tun, indem er Bekannte, Freunde und Nachbarn über die Machenschaften der Welpenmafia und das Leid und Elend der Welpen und ihrer Elterntiere informiert. Auch in Internetforen oder in sozialen Netzwerken gibt es viele Möglichkeiten für ein Engagement. Ein Hund sollte wirklich nur aus einer anerkannten Tierschutzeinrichtung oder – wenn es denn aus bestimmten Gründen ein Welpe sein soll – von einem verantwortungsvollen Züchter erworben werden. Jeder Kauf eines Billigwelpen, und sei es aus den vermeintlich edelsten Motiven heraus, leistet der Welpenmafia Vorschub und fördert das Geschäft. Nur durch ständige und nachhaltige Information der Menschen kann diesem widerlichen Treiben Einhalt geboten werden. Wir wollen gemeinsam mit den vielen Menschen, die uns unterstützen, erreichen, dass der Kauf eines Welpen aus Massenproduktion irgendwann gesellschaftlich genauso geächtet ist wie das Schlagen eines Kindes.
Herr Schütz, vielen Dank für das Gespräch!

Inserate der Welpenmafia im Internet oder in der Zeitung sind nicht immer leicht zu erkennen. Wie können Interessenten trotzdem herausfinden, dass es sich um unseriöse Händler handelt?
„Die Welpenmafia“-Autor Volker Schütz hat die besten Tipps:
1. Ein zu günstiger Preis ist bereits das erste Anzeichen für ein unseriöses Angebot, Rassewelpen kosten aus gutem Grund 1000 Euro und mehr.
2. Ist in der Kleinanzeige nur eine Mobilfunknummer, außerdem keine feste Adresse angegeben, ist Vorsicht geboten.
3. Will der Anbieter den Welpen unter fadenscheinigen Ausflüchten ausschließlich irgendwo auf der Straße oder einem Parkplatz übergeben, sollte man die Finger vom Kauf lassen.
4. Bietet der Verkäufer an, auch Welpen anderer Rassen besorgen zu können, bezieht er diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Massenvermehrungsbetrieben.
5.  Findet die Besichtigung des Welpen in einer Privatwohnung statt, muss die Mutterhündin zwingend anwesend sein.
6. Ein Hundehändler oder Vermehrer wird den Käufer nicht nach den Verhältnissen fragen, unter denen der Welpe künftig leben wird.
7. Den Kontakt mit dem Käufer wird ein Vermehrer auf das Nötigste beschränken, nämlich auf die Übergabe des Welpen und die Entgegennahme des Geldes.
8. Es gibt keinen schriftlichen Vertrag. Der Verkäufer erklärt sich nicht bereit, den Hund notfalls zurückzunehmen.
9. Der Verkäufer erklärt sich nicht bereit, den Hund notfalls zurückzunehmen.
10. Der Verkäufer gibt keine oder eine falsche Adresse an.
11. Der Verkäufer kümmert sich nach der Übergabe nicht mehr um den Welpen.